Twizel

Twizel ist ein seltsamer Ort, wenn man seine Entstehung nicht kennt. Ein Retortendorf auf sehr großer Fläche, mit viel Raum für erheblich mehr Einwohner. Doch das Freibad hat nur wenige Stunden täglich geöffnet, das Infocenter war bereits am frühen Nachmittag geschlossen. Twizel sieht nicht nach Boom aus. Dabei sollte der Ort nach früheren Plänen eingestampft werden. Er war als Wohnsiedlung für die Bauarbeiter gedacht, die das Bauprojekt der Stauseen im Zentrum der Südinsel ausführten, welches 1985 nach 50 jähriger Bauzeit abgeschlossen wurde und nun ein Viertel des Strombedarfes des Landes deckt. Allerdings sieht der Orte immer noch retortenmässig aus. Auf großer Fläche sieht man vereinzelte Neubauten, zerstreut von weiterem erschlossenem Bauland.
Wenn man sich die Landschaft der Region ansieht, ist es nachvollziehbar, warum man auf Energiegewinnung aus Wasserkraft setzt. Denn das Land ist augenscheinlich nur begrenzt fruchtbar. Nicht mal Schafe, nur dürres Gras. Fast eine Mondlandschaft.
Entsprechend komisch war der Zeltplatz, unweit des Ortes. Etwas runtergekommen, kaum aktuelle Gäste, ausser Schulklassen.
Jedoch, nach einer vorabendlichen Joggingrunde im Regen eine Sternklare Nacht. Habe noch nie so viele Sterne im Orion gesehen. Und eine Ruhe! Bis auf den blöden Kühlschrank.

Oamaru

Hatte ich etwas negatives über das Verkehrswesen Neuseelands geschrieben? Unser heutiger Halt in Oamaru, auf einem sehr gepflegtem Campingplatz, liegt unmittelbar neben der Eisenbahnstrecke.
Erst dachte ich, es wäre eine Erdbeben. Bis ich merkte, dass ein Zug vorbei fuhr. Das Geräusch erinnerte mich an meine Kindheit, in Hörweite des Bahnhofes zu Weimar, wo in meinen früheren Jahren dampfbetrieben Züge fuhren. Wie bereits erwähnt, der Schienenverkehr ist nicht auf dem neusten Stand. Zu Beginn des Eisenbahnzeitalters, mit dem Goldrausch in vielen Gegenden Neuseelands, war es sicher nicht schlechter als momentan.
Zumindest ist mit einer ruhigen Nacht zu rechnen, bei dem seltenen Zugverkehr.
Es sei denn, die in der Nähe liegende Schafschererei kommt zu unverhofften Aktivitäten. Unter den Lastkraftwagen, die wir heute sahen, waren auffällig viele, mehrstöckige “Schafwagen”.
Dafür haben wir die erhofften Pinguine verpasst, die in einer nahen Bucht desnachts ruhen. Am Nachmittag, als wir schon mal dort waren, ruhten dafür Robben. Die waren gar nicht scheu und liessen sich aus sicherer Entfernung filmen.
Am Folgetag, bei unserer vorfrühstücklichen Laufrunde, waren dann unzählige Pinguine anwesend. Der Respekt vor den Tieren bewahrte mich vor besseren Fotos.

Dunedin

In Dunedin, an der Ostküste der Südinsel, haben wir den ersten richtigen Regentag unserer Reise durch Neuseeland erlebt. Dazu ist es noch kalt geworden. Die weitere Reise versuchen wir, dem schönen Wetter nach zu fahren.
Dunedin ist sehr Schottisch, es soll ursprünglich Glasgow nachempfunden worden sein. Die Landschaft und die Schafe passen. Nur die Palmen erinnern an NZ. Ausgerechnet an diesem Wochenende fand in der Innenstadt ein Wettbewerb mit Schottischer Tracht und Dudelsackmusik statt. Dann Der schöne alte Bahnhof und das, wo es im Land ein sehr wenig ausgebautes Streckennetz gibt. Es schien, bei unserem heutigen Besuch nur ein Nostalgiezug zu fahren. Die anderen Schienen waren schon leicht rostig. Man setzt mehr auf Individualverkehr.
Bei einem so dünn besiedelten Land kein Problem. Knapp über 4 Millionen Menschen leben auf den beiden Inseln, davon alleine in Auckland und Umgebung ein Viertel davon. Dafür gibt es 40 Millionen Schafe. Und selbst die haben augenscheinlich reichlich Auslauf. Im Gegensatz dazu leben wir in Mitteleuropa fast wie Sardellen. Überhaupt scheint hier das Leben gemächlicher zu verlaufen. Einfach schön.

Kiwi

Bis vor wenigen Wochen dachte ich, die Bewohner von Neu Seeland nennt man wegen der pelzig häutigen Frucht Kiwies. Als Reisender durch dieses wunderbare Land habe ich gelernt, dass dies nicht so ist.
Freilich sieht man Kiwiplantagen, vor allem im Nordteil des Landes. Doch der Neu Seeländer sieht sich diesem komischen Vogel namens Kiwi verbunden, der vom Aussterben bedroht ist. Dies deshalb, weil er als Vogel nicht fliegen kann, dafür schlecht zu Fuss ist, mit 20 Stunden täglich ein grosses Schlafbedürfnis hat und somit leichte Beute für seine Feinde ist. Das sind, aus Ermangelung großer Raubtiere, vor allem freilaufende Hunde. Die sieht man naturgemäss nicht so gerne, sind sogar von vielen Orten verbannt.
Bei unserer nachmittäglichen Joggingrunde durch Te Anau sind wir prompt auf einen freilaufenden Hund gestossen, der sich spontan uns anschloss. Es war dann gar nicht so einfach, ihn abzuhängen. In Geschwindigkeit uns Ausdauer waren wir ihm nicht überlegen, so waren wir dann froh, dass er sich dann doch eher für die zahlreichen Enten am See interessierte.

Wanaka

Nach 2/3 unserer Reise durch Neu Seeland haben sich mit Coromandel und Wanaka bereits zwei potentielle Orte zum zum Auswandern angeboten. Nach Coromandel, diesem schrulligen Goldgräberort auf der Nordinsel nun Wanaka im Süden. Beinahe jeder Auslöser der Kamara konservierte ein Postkartenmotiv. Der Lake Wanaka mit der prächtigen, teils schneebedeckten Bergen im Hintergrund bilden die Kulisse dafür. Für den aktiven Urlauber gibt es viele, sehr schöne Wege in der Region. Der kristallklare See lädt-mit Neoprenanzug- zum Schwimmen ein.
Ursprünglich wollten wir nur eine Nacht bleiben und dann weiter nach Queenstown. Dort war es für unseren Geschmack jedoch zu bunt und wir sind schließlich wieder zurück nach Wanaka gekommen.

Buller George Marathon

Wenn wir eine Reise in ein fernes Land unternehmen, ist es gute Tradition, einen Marathon zu integrieren. Für unsere Reise durch Neu Seeland haben wir den Buller George Marathon ausgewählt. Der Buller River fließt in Westport, im Nordwesten der Südinsel liegend, ins Tasmanische Meer.
Mit Bussen wurden wir flussaufwärts gebracht, wo der Start auf der gesperrten Fernverkehrsstraße Nr. 6 pünktlich 8.30 erfolgte. Es ging die ersten 8 Km Richtung Berlins, wo es nach der Wendestelle dann dem Flusslauf bergab ging. Allerdings wurde der Laufrhythmus durch häufige Gegensteigungen jähe unterbrochen. Aus dem Gefälle zwischen Start und Ziel wurden dadurch, laut der Messung meiner Uhr, fast unglaubliche 600 Höhenmeter. Somit schon ein Vorgeschmack auf den Weinstraßen Marathon im April.
Von 2500 Teilnehmern war die Rede, wobei das Feld der “Full Marathon” Läufer schätzungsweise aus 300 bunt gemischten Athleten bestand. Eine offensichtlich Japanische Teilnehmerin, die sich vor dem Start mit diversen Salben präparierte, hatten wir, wegen ihres sehr athletischen Aussehens als Favoritin vermutet. Nach der Wendestelle passiere ich sie aber bereits mit erheblichen Rückstand zu Daniela, die ihrerseits den Lauf gemütlich nehmen wollte und sich spontan der aus Wellington kommenden Roanna May anschließ. Beide liefen bis Km 38 zusammen, bis der Neu Seeländerin einen Schwächeanfall erlitt. Dieser, weil bei den Verpflegungsstellen das Wasser ausgegangen war. Bei der aufkommenden Hitze unter sommerlicher Sonne, mit wenig Schatten, nicht ungewöhnlich. Glücklicherweise erholte sie sich wieder und kam dann doch noch ins Ziel.
Das übersichtliche Läuferfeld hat sich auf der Buller Schlucht rasch auseinander gezogen. Die zu überholten Wander, die den Halbmarathon absolvierten, sorgten für Abwechslung, wie auch einige schöne Ausblicke über Brücken in der Schlucht. Die letzen 12 Km vor vor dem Zielort Westport, wurde die Landschaft offener, bei der hoch stehenden Sonne wurde es merklich heiß und bei den Verpflegungsstellen wurde das Wasser knapp. Es gab zwar immer tu trinken, aber die Isogetränke sind nicht jedem Läufer bekömmlich. Getränke wurden in handlichen, offensichtlich mehrmals benutzten, Plastikflaschen ausgegeben. Mit dem Vorteil, dass man sie in der Hand behalten kann und unterwegs jederzeit trinken kann. Erstaunlicherweise wurde auf feste Verpflegung ganz verzichtet, was auch ungewöhnlich ist.
Die letzten beiden Km ging es dann über die Lang gezogene Buller-Brücke ins Zentrum von Westport, wo nun zahlreich Zuschauer für gute Stimmung sorgten. Schließlich der tolle Zieleinlauf im Victoria Squere. Knapp unter 3 1/2 Stunden, fotografierend und auf vorhergehende Ruhetage verzichtend, keine schlechte Zeit, so früh im Jahr. Platz 45 Gesamt, hat nur statistische Bedeutung. interessant vielleicht die Tatsache, dass ich spätestens nach der Hälfte der Strecke von keinem Läufer überholt wurde und sogar noch Plätze gut machen konnte.
Wie immer, bei so exotischen Läufen, ein besonderes Lauferlebnis.
Wider Erwarten habe ich im Zielbereich sogar noch ein Bier bekommen. In Neu Seeland sind Alkoholfreie Zonen weit verbreitet und deren Einhaltung wird kontrolliert. So sind praktisch alle Strände und öffentlichen Plätze davon betroffen. Der Zielbereich im Victoria Squere normalerweise auch. Ausnahmsweise wurde eine lizensierte Zone eingerichtet, in der Bier und Wein ausgeschenkt wurde. Eine Gruppe älterer Herren, in schottischer Tracht, hatte auf der Strecke mit Dudelsackmusik für Unterhaltung gesorgt. Nun waren sie im Festzelt bei prächtiger Laune. ein stattlicher Berg von leeren Bierflaschen vor ihnen, die schlüssige Erklärung.
Der Buller George Marathon ist ziemlich genau in der Mitte unserer Reise. Nun liegen sicher noch schönen Eindrücke und Erlebnisse vor uns.

Ford Capri

Neu Seeland ist auch autotechnisch spannend. Die in Europa gängigen Marken werden hier in amerikanisch orientierter Ausstattung vertrieben. Das bedeutet zumeist größere Motorisierung und verändertes Outfit. Als langjährigen Eigner verschiedener Autos der Marke Pontiac, einem grünen Grand Am 3.3 und einem roten mit 3,1 Liter Hubraum, der Marke, die vor wenigen Jahren eingestellt wurde, ist Neu Seeland sehr interessant. Denn hier werden die Autos der General Motors Gruppe unter der Marke Horden geführt. So kann man neben vielen Opelmodellen (Astra, Vectra, Corsa), sowie eines mir unbekanntes Commodore ( vor ewiger Zeit auch unter Opel laufend) die letzet Modelle des G6 und G8 von Pontiac bewundern. Die fahren in Ozeanien weiter unter dem Namen Horden. Bei so genialen Autos, bei schlimmster Markenpflege, ist es nicht unverständlich, dass der einstige Weltmarktführer in Schwierigkeiten geraten konnte.
Als Kind hatte ich als Spielzeugauto, unter Anderen, eine Miniatur eines Ford Capri, den ich als den schönsten meiner Matchboxsammlung hielt. Auf dem heutigen Campingplatz in Wellington, der zwar etwas laut aber überaus gepflegt ist, durfte ich eine Original eines solchen Autos bewundern. Dank meines Alters, handelt es sich bei dem Fahrzeug um einen Oldtimer.
Der Wagen wurde auf dem platzeigenen Areal gewaschen, wofür es eigentlich keinerlei Veranlassung gab. Denn das Auto war, nur bei schönem Wetter bewegt, praktisch rein. Ungeachtet dessen nun eine weiterer Waschgang, der seine erhoffte Wirkung natürlich nich verfehlte. Denn kurze Zeit später standen die interessierten Herren des Platzes um den Wagen. Nur trotz meiner unvollkommenen Sprachkenntnisse hielt ich mich dieses Ereignisses fern und filmte es aus sicherer Stellung aus unserem Wohnmobil.

Wangenui

Nach Triathlon Hochburg dann Wanganui, wo auf dem Fluss etliche Ruderer zu sehen sind, denen man ansieht, dass sie nicht auschließlich zum Spaß auf dem Wasser unterwegs sind. Auf dem Weg dorthin konnten wir eindrucksvoll erleben, dass es in Neu Seeland mehr Schafe als Einwohner hat. Auf endlosen Weideflächen tausende Tiere, dafür kaum Häuser oder gar Orte.
Nun sind wir in Wellington angekommen, wo der erste Teil unserer Reise durch NZ endet und wir per Fähre zum Südteil reisen werden, wo am nächsten Samstag das sportliche Hightlight für uns, mit dem Buller George Marathon im Programm steht. Nach allem, was wir vom Land bislang gesehen haben, geben wir uns keinerlei Illusion hin, dass wir eine flachen Lauf erleben werden. Das wird, wie auch immer, sicherlich ein tolles Erlebnis.
Wellington selber ist sehr interessante, moderne, lebendige Stadt und wie alles, was wir bislang von Neu Seeland sahen, sehr sauber. Das fällt sogar auf, wenn man aus der Schweiz kommt.

Taupo

Heute sind wir auf unserer Reise durch Neu Seeland in Taupo gelandet. Das kleine Städtchen am gleichnamigen See. Hier findet in wenigen Wochen der Ironman statt. Das ist, ohne das man davon vorher weiss, auch zu spüren. An einem frühen Freitag Nachmittag kann man mehrere Gruppen am See beim Laufen begegnen, deren Outfit, bauchfrei aber mit Stützstrümpfen, eindeutig der elitären Gattung der Triathleten zuzuordnen ist.
Auf dem Campingplatz, wo wir Quartier bezogen haben, war die Klientel unschwer zu edentifizieren. Eine benachbarte Athletin hat sogar ein passendes Nummernschild für ihr Auto erstanden: IRN MUM. Bei den in Neu Seeland frei editierbaren Autokennzeichen wird selbst dies Sondernummer etwas mehr gekostet haben. Beim Zeltaufstellen hatte die Eisen-Mutter natürlich ein Finisher Shirt zu Schau gestellt. Bei jedem Weg, länger als einen halben Meter ist sie instingtiv in den Laufschritt übergegangen.
Schön, dass Daniela ihren Neopren in Sichtweite trocknen musste und das Armband meiner Forerunner Uhr im Cockpit hervor schaute. Der Zufall wollte es, dass die Rasur meiner Beine mal wieder anstand.

Meer und mehr

Ein 9 km langer Sandstrand, bei Ebbe wunderbar zu laufen. Dieses Erlebnis, mit schönem Licht, teilweise angriffslustigen Vögeln durften wir in Waihi Beach erleben. Ein weiteren Highlight auf unserem Trip durch Neu Seeland.
Weiter ging es heute nach Rotorua. Nicht weniger spektakulär. Der Geruch nach Schwefel ist allgegenwärtig. Rauchfontänen steigen aus vulkannaher Erde empor. Schlamm brodelt. Ein Naturschauspiel, welches ich noch nie mit eigen Augen gesehen habe. So spannend das anzusehen ist, so gefährlich ist der vulkanische, erdbebenträchtige Untergrund, der vor Monaten in Christcurch nachhaltigen Schaden bei einem Erdbeben anrichtete.
In der ersten Nacht, die ich in Neu Seeland verbrachte, glaubte ich nachts ein leichtes Erdbeben zu verspüren. Die Alarmanlage eines Autos, die kurz darauf losging, bestätigte mir, dass dies kein Traum war.