Zugspitz Ultratrail

Ein Lauf nicht auf die Zugspitze, dem mit 2962 Metern höchsten Berg Deutschlands, sondern Drumherum. Hundertundein Kilometer,  5674 Höhendifferenz . Als ich von dem Lauf hörte war ich interessiert. Als ich auf der Webseite mich abgebildet sah, stand für mich fest: Da muss ich hin.

Samstag, 25. Juni,  Start 7.15 Uhr. Von Start weg geht es hoch und runter, so dass ich Mühe habe, meinen Rhythmus zu finden. Im Gegensatz zu Verbier, letztes Jahr, sind alle 5 Km markiert was für mich nicht unbedingt besser ist, da ich ohne Uhr rein intuitiv laufe. Nach ca. 17 gelaufenen Kilometer schon von weitem sichtbar die Schweizer Fahne. Zwei Betreuer von unserer Alpinrunner-Gruppe haben sich den schönsten Platz des Laufes ausgesucht. Wunderbare Aussicht . Ein bisschen Cola, weiter geht es.

Die Beine sind gut aber was ist nur los mit meinem Kopf? Erst 35 Km es ist noch so weit. Es gibt keine Gnade kaum Erholung immer wieder geht es hoch. Nur langsam geht es  voran, habe immer wieder Krisen.

Kilometer 60,  grosse Verpflegung. Kurz davor wartet unser Betreuerteam. Cola ein Brötchen mit Bündnerfleisch. Das tut gut. Erfahre dass Marco Jäger an diesem Ort aufgeben musste, Magenprobleme. Er tut mir so leid. Marco organisiert regelmässig Trainingsläufe der Apinrunners rund um Chur sowie Reisen zu verschiedenen Bergläufen. Er selber ist ein hervorragender Läufer.

Beim offiziellen Verpflegungsposten steht Gaby vom Laufreport. de. „Na wie geht’s, Macht’s Spass?“, fragt sie.  Meine Antwort: Spass ist was anderes, kann mir zur Zeit schöneres  vorstellen. Die nächsten 5 km sind flach, wirklich flach. Habe mir die Strecke und das Höhenprofil vorher nicht so genau angesehen und bin überrascht, dass es in dieser alpinen Region solch langen Ebenen gibt.

Immer wieder plagt mich mein Kopf, er will nicht so wie ich es möchte. Beine sehr gut aber wo bleibt mein positives Denken? Axel, ein Deutscher Läufer, läuft bei mir. Wir kommen ins Gespräch. Wie gut diese Ablenkung. Es passt, wir laufen zusammen weiter.  80 Km der Tiefste Punkt  der Strecke, 800 m. Es geht mir wieder besser. Der letzte Aufstieg durch den nassen Wald. Hart, mein Magen rebelliert, keine Cola mehr, muss vorsichtig sein. Axel  voraus plaudert über Gott und die Welt. Versuche Schritt zu halten. Wann endlich kommt die nächste Verpflegung? Etwas Suppe, Brot, es wird sicher besser. Langsam wird es kühler. Endlich wir sind bei der Talstation Längenfelder, ca. bei km 87, auf 1600 m, der er vorletzte Verpflegungsposten. Es wird dunkel. Ich ziehe mir Jacke und Stirnlampe an. Es ist bissig kalt durch den Wind. 10 Km bis ins Ziel  noch 400 Höhenmeter bis zur Bergstation Alpspitzbahn. Wir motivieren uns gegenseitig. Axel scherzt, er habe Angst alleine in der Nacht. Weit und breit niemand  hinter uns.  Nur das Licht unserer Stirnlampen auf schmalen Bergpfaden. Es geht runterwärts. Rund um den Berg bis zur letzten Verpflegung. Vollste Konzentrazion die Steine sind glitschig, die Beine sind immer noch gut. Meine Zehennägel sind kaputt bei jedem Schritt stosse ich vorne an, das tut weh.

Lautsprecher hört man von weitem. Die Bergwacht hat sich bei den Kontrollposten Feuer gemacht. Höhenfeuer, fast schon etwas romantisch. Noch 2 Kilometer. Fackeln bis ins Ziel. Es geht gut, die Beine  locker. Asphalt das Ziel naht. Wir laufen direkt ins Festzelt ein. Partystimmung. Was für ein Empfang! Geschafft!  23 Uhr 25 Minuten.  Axel,  danke. Der Kopf hat mich an diesem Tag gefordert  und jeder Zeit unter Kontrolle gehabt. Trotzdem ein sehr schöner harter Lauf mit bester Organisation.

 

Speziell möchte ich Ursula Baer danken. Sie hat fast die ganze Nacht an meinem Bett gesessen, da mein Kreislauf, nach den vielen Stunden auf Hochtouren, Mühe hatte, sich zu normalisieren. Sie ist selber die „kurze“ Strecke (68.8 km, 3120 HD) gelaufen. Merci

Daniela Nusseck

Juni 2011

 

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