See im Suhrental

Im Zeitalter, von navigationstauglichen Mobiltelefonen und GPS-Uhren ist man als Läufer nicht gezwungen, immer die gleichen Trainingsstrecken zu laufen. Und trotzdem macht man das. Denn nur so sieht man den Trainingsfortschritt, oder im Fall des alternden Hobbyathleten, den Verlauf des immer langsam Werdens zu dokumentieren.

Aber selbst, in meinem Fall, im geschätzten 18. Jahr als Läufer, erläuft man in vertrauter Umgebung Neuland.

So fand ich wahrhaftig einen See in nicht einmal 2 Kilometer Luftlinie von meinem zu Hause in Unterentfelden. Dabei habe ich den See weder bei einem Pfadfinderlauf eindeckt, noch auf dem Suhrenkopf wahrgenommen, sondern auf neustem Kartenmaterial gesehen, welches mir zugespielt wurde.

Gut, im Nachhinein ist das Gewässer aus der Anhöhe des Suhrenkopfes nicht zu übersehen. Schön quadratisch, ca. 25X25 Meter. Kann aber aus der Entfernung auch als ein mit Folie ausgelegtem Feld vermutet werden. Wahrscheinlich kennt dieses Gewässer nur ein Bruchteil der regelmässigen Passanten.

Ist aber auch kein Wunder, wenn man, etwas recherchiert. Der See ist als Karpfenteich erst vor wenigen Jahren von Thomas Baumann, einem in Suhr ansässigen Ökoaktivisten, mit dessen Ziegen ich fast täglichen Kontakt pflege, angelegt worden.

In dem sehr zersiedeltem Mittelland der Schweiz und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung eine Oase und Freiraum für Tiere und Pflanzen, die in unser Zeit immer mehr zurück gedrängt werden.

Karpfenteich Suhr

Ungleiche Duelle

Die Woche war noch jung, als ich mich bereits 2 ungleichen Duellen stellen musste.

Meine montägliche Joggingrunde am Morgen führte mich von Entfelden der Suhre entlang, bis zur Aaremündung. Auf dem Weg zum Aarauer Schachen traf ich dann auf Jugendliche, die vermutlich von der nahen Berufsschule aus joggen sollten. Klar, dass die sich nicht von einem älteren Herrn mit deutlichem Bauchansatz so einfach überholen lassen. Ein Träger eines mit dem Namenszug „Messi“ bedruckten Shirts hat sich von mir nicht aus der Reserve locken lassen und hat es bei seinem Wanderschritt belassen. Den Nächsten hatte dann doch der sportliche Ehrgeiz gepackt, als er mich von hinten kommen sah. Sein Versuch, mich mit einem langen Sprint abzuhängen misslang. Nach Luft ringend, nun nur noch gehend, liess er mich passieren um dann wieder eine Tempoattacke zu starten. Rasch schloss er wieder auf mich auf. Die kleine Forcierung von mir konnte er jedoch nicht mehr kontern. Glück für ihn, dass der Abzweig zum Sportplatz nahte, wo er dann heimtrotten konnte. Hoffe mal, dass dies kein repräsentativer Querschnitt des sportlichen Nachwuchses war.

Schon am folgenden Tag dann das nächste Duell. Mein Weg führte mich von Unterentfelden über Suhr, Gränichen auf den Rütihof nach Muhen und zurück nach Hause. Von Gränichen auf den Rütihof geht es ca. 200 Höhenmeter bergauf. Wenige Hundert Meter bevor es in die Steigung ging wurde ich von einem Fuhrwerk mit 2 Anhängern überholt. Da sich in den Wagen viele Menschen befanden, hat man statt eines Pferdegespanns einen Traktor für den Vortrieb gewählt. Selbst der hatte Mühe, die schwere Last den Berg rauf zu ziehen, so dass ich den ursprünglich beachtlichen Vorsprung auf wenige Hundert Meter verkürzen konnte. Mein Gruss auf den Berg wurde dann auch mit einem erhobenen Daumen vom Chauffeur erwidert. Hätte ich ihn überholt, wäre mir ein Job als Zugpferd sicher gewesen?