In Memorial

Meldung 2015 zur Grünen Woche: Das deutsche Karakulschaf ist vom Aussterben bedroht.

Karakulschaf, so lange schlummert dieses Tier in der Hinterkammer meines Gehirns. In den 70er Jahren tauchte es auf. Mein Stadtkindkosmos kannte Schafe, vielleicht noch schwarze Schafe. Aber eben nur die große anonyme Masse Schafherde, mit dem Schäfer unter einem unförmigen Umhang, dem einen oder anderen schwarzem Schaf zwischen den grauen Tieren und dem ewig aufmerksamen Schäferhund.

An einem Herbsttag erweiterte sich mein Kosmos.

In einem Thüringer Fachwerkdorf klingeln sie nach kurvenreicher Strecke an einem verschlossenen Hoftor. Das Schlurfen der Holzpantinen des Landbewohners geht im vielstimmigen Gekläff unter. An der Seite des Mannes drängeln sich aufgeregt einige Hunde.

Ah, sie kommen wegen meiner Anzeige in der Wochenpost. Wissen Sie, ich züchte Karakulschafe. Da brauch ich das Fell, das geht als Persianer über den Tisch. Die Innereien beim Schlachten, die will ja Keiner. Meine Hunde freuen sich drüber. Gerade hatte ich wieder einen Wurf.

Mit leuchtenden Augen schaut Peter in das Gatter, wo sich die aufgeregten Kleinen drängeln. Schnell sind sie sich einig. Dem braunen Hund steht seine erste Autofahrt bevor. Dieser folgt eine Karriere als Stadthund. An den Stall denkt er nie wieder zurück. Jetzt gibt es schließlich ein Sofa.

Das deutsche Karakulschaf ist vom Aussterben bedroht.

© Barbara Nußeck

nach einer Meldung anläßlich der 80. Grünen Woche in Berlin

cherry

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