Victors Füße

Victor Röthlin hat neulich im Facebook seine Füße präsentiert. Hatte was von Stalingrad. Die Mehrzahl der Zehen waren mit blauem Nagelbett. Doch keine Russische Kälte setzte dem Marathonläufer zu, sondern sein vorolympisches Trainingspensum von bis zu 220 Wochenkilometern, in entsprechendem Tempo (3:30 min/km), versteht sich.
Als Werbeträger der Laufschuhmarke Asics musste er sich freilich Kommentare anhören, ob die denn wirklich so passgerecht seien?
Seine Antwort war weniger diplomatisch. Er verbat sich Hinweise von Leuten, die nicht den gleichen Traningsumfang wie er absolvieren.
So erfülle ich mich mit meinen Hundert Wochenkilometern und 42 Arbeitsstunden in Stahlkappenschuhen nicht die Voraussetzungen, mich an der Diskussion zu beteiligen?

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf

Am vergangenen Donnerstag, kurz bevor sich Daniela auf den Weg zum Irontrail machte, versprach sie, den Irontrail auf keinen Fall nochmals zu machen. Ein paar Tage nach dem Lauf sieht das schon wieder anders aus. Was in diesem Fall verständlich und nachvollziehbar ist. Das ein Veranstalter einen Lauf abbricht ist eine neue Erfahrung. So war die monatelange gezielte Vorbereitung umsonst, denn solche läuferischen Herausforderungen, wie die geplanten 201 Kilometer lange Irontrailstrecke, gibt es nun mal nicht so häufig. Also dann doch noch mal zum Irontrail? Zumindest liegt er vom Datum her, Mitte August, günstiger.

Nach ein wenig Abstand kann man auch etwas Verständnis für den Organisator aufbringen, dass Rennen abgesagt zu haben. Das Wetter war deutlich schlechter, als ursprünglich gemeldet. Dazu kam, dass eine Vielzahl Teilnehmer ungenügend ausgerüstet und vorbereitet waren. So kann man im Fernsehbeitrag des Schweizer Fernsehens tatsächlich einen Läufer mit freiem Oberkörper und ohne Ausrüstung sehen!

Die Rangliste bis zum Abbruch ist noch immer aufgeschaltet. Die freilich ist mit Vorsicht zu genießen. Bei der letzten Zeitnahme in Bergün war das Rennen schon lange abgebrochen. Von dort war der Rücktransport organisiert und die Zeitnahmematte war wohl eher als als Registrierung anzusehen, ob die Läufer auch dort angekommen sind.

 

20120711-111924.jpg

Fiasko Irontrail

Die Premiere des Irontrail endete im Fiasko. Nach dem verspäteten Start, der viel zu spät den Teilnehmern mitgeteilt wurde, sind die Läufe des T201 und T140 in der Nacht abgebrochen worden.
Regen, Schneefall und Kälte waren die Gründe für das OK. Die kürzeren Läufe am Samstag über 71 und 24 Km wurden gar nicht gestartet, obwohl das Wetter deutlich besser wurde.
Nachdem ich Andrea Tuffli in einem älteren Beitrag für seinen Mut gelobt hatte, so eine extreme Veranstaltung zu organisieren, muss ich nun sagen, dass er es wohl mit diesem Projekt überhoben hat.
Auf über 200 Km im Hochgebirge muss man mit extremen Wetterbedingungen rechnen und sich entsprechend ausrüsten. Vor den Start wurden Teilnehmer auf vorgeschriebene Ausrüstung kontrolliert. Jacke, Handschuhe, warme lange Kleider gehören dazu. Dass es heftig regnete, teils Bäche überwunden werden musste, zumal bei Dunkelheit, eine große Herausforderung. Dazu diesen vielen Höhenmetern und der Aufenthalt in großer Höhe.
Die Frage ist, ob es überhaupt Sinn macht so eine Veranstaltung anzubieten? Ist das überhaupt machbar? Der Lauf ist schon schwierig genug, auch bei gutem Wetter.
Aber wer sich dennoch dort anmeldet, weiss worauf er sich einlässt und muss auf alles gefasst sein.
Ob und wie Daniela diesen Lauf durchgestanden hätte, lässt sich schwer beurteilen. Die vom Organisator genannte Ausfallquote von 50% scheint mir auch bei optimalen Bedingungen noch vorsichtig…
Unabhängig von dem Abbruch des Rennens berichteten Teilnehmer von gravierenden organisatorischen Mängeln. Warum man dem Läuferfeld des T201 erst 10 Minuten vor dem Start und nach dem Intonieren von den Nationalhymnen, von der Verschiebung des Rennens um 8 Stunden informierte, bleibt ein Rätsel. Die Markierung der Strecke war ungenügend bis gar nicht vorhanden. Den Kontroll- und Verpflegungsposten in St Moritz verpassten beispielsweise etliche Teilnehmer oder fanden diesen erst nach Umwegen. Die Informationen den Teilnehmern per SMS scheint zeitgemäß. Aber wenn sie nicht oder verspätet ankommen, verfehlen sie ihren Sinn.
Zusammengefasst kann man von einer völlig missglückten Premiere reden. Sollte es das nächste Jahr eine Fortsetzung geben, wäre noch viel Arbeit.

20120707-143901.jpg

Irontrail der Start

Der Start für den Irontrail fand erst am Freitag Nachmittag, 16 Uhr statt. Ursprünglich sollte es 8 Uhr losgehen. Aber turbulentes Wetter veranlasste den Veranstalter zu dieser Änderung. Was die in Pontresina wartenden Startern unverständlich erschien. Denn das Wetter dort war keineswegs schlecht. Aber die Prognose im Hochgebirge war an Hand der Satellitenbilder so, dass der Veranstalter kein Risiko eingehen wollte. Es wurden dann auch von Gewittern und Temperaturstürzen berichtet.
Bei aller Selbstverantwortung trägt der Veranstalter eine Verantwortung für die Sicherheit der Läufer. Das ist bei der Länge der Strecke schon schwierig genug. Schade nur, dass die teilnehmer erst 10 Minuten vor dem Start informiert wurden. Da ist das Hotelzimmer zumeist nicht nicht mehr verfügbar und das Gepäck aufgegeben.
Also der Start verspätet und die Strecke verkürzt. “Nur” noch 154 Km.

Irontrail

Für die Königsstrecke des erstmals ausgetragenen Irontrail, der am kommenden Freitag startet, haben sich 342 Männer und 43 Frauen gemeldet. Der Veranstalter rechnet mit einer Finisherquote von 50%. Die kann bei ungünstigen Wetterverhältnissen noch schrumpfen. Fakt ist, wer die 201.1 km, mit  10’750 m im Aufstieg und 11’975 m im Abstieg bewältigt sich als Sieger bezeichnen darf, unabhängig von Zeit und Platzierung.

Andrea Tuffli, der auf eine überaus erfolgreiche Organisation des Swiss Alpine Marathon zurückblicken kann, hat den Irontrail ins Leben gerufen und ist seinem Ruf als Visionär für solcherlei Ultrabergläufe einmal mehr gerecht geworden. Nach 26 Jahren Swiss Alpine nun der Irontrail.

Man war erstaunt wir rasch sich die Teilnehmerlisten füllten. Derzeit sind 691 Läufer gemeldet, die neben dem T201 noch Unterdistanzen zwischen 21 und 141 Kilometer absolvieren. Und bei einem solchen gestandenen Veranstalter, darf man von einer professionellen Organisation rechnen.

Daniela startet „natürlich“ über die lange Strecke. Selbst für sie, als gestandene Bergläuferin, stellt der Irontrail ein unkalkulierbares Abenteuer dar. Zwei Tage und Nächte wird sie unterwegs sein, teilweise auf schmalen Bergpfaden, auf über 3000 Meter hohen Bergen. Da kann man ohne Übertreibung von einer ultimativen Herausforderung sprechen. Viel Erfolg!