Christchurch

Die letzten beiden Nächte verbringen wir in Christchurch. Die Stadt wurde am 22.2. 2011 durch ein verehrendes Erdbeben stark zerstört, ca. 200 Menschen verloren ihr Leben. Bei der Fahrt durch die Stadt sind auch ein Jahr danach noch Spuren davon zu sehen. In vielen Straßen sieht man ausgebesserte Risse, einzelne Häuser sind noch nicht wieder repariert oder es sind Baulücken zu sehen. Die Innenstadt ist teilweise noch immer eine Trümmerwüste, ganze Straßenabschnitte sind noch immer gesperrt. Eindrücklich diese Schattenseite der Kraft der Natur so zu sehen.
Der Campingplatz ist, trotz in der Stadt gelegen, sehr ruhig. Wegen des internationalen Flughafens in der Stadt, wird dieser Platz von vielen Neuseeland Reisenden als Anfangs- oder Schlusspunkt der Reise gewählt. Die Neuen sind an ihren schwarz glänzenden Reifen gut zu unterscheiden. Würde gerne tauschen.
Auch wenn unsere Reise gut geplant war, kann man nicht alles an Hand eines Reiseführers vorherplanen. So haben wir schöne Ecken gesehen, die gar nicht vorkommen, anderseits, freilich wenige, entbehrliche Reiseziele gesehen.
Ernährungstechnisch haben wir eine weitere Kürbissaison ausser der Reihe erlebt. Habe davon ein paar Kerne, die ich versuche Heim zu schmuggeln. Sicherlich habe ich noch nie so viel Fleisch gegessen, wie in den Wochen unserer Reise. Wenn man sieht, welchen Freilauf die Tiere haben, man praktisch keinerlei Ställe sieht, kann man wohl unbeschwert davon essen. Anfangs hatte ich zwischen Beef Steak (selten unter 400g) und Schaffleich variiert. Bis ich in die Augen eines Schafes gesehen habe, welches von einem überfüllten Transporter traurig schaute. Von dem Moment an habe ich kein Schafsfleisch mehr essen wollen.
Von den Ernährungsgewohnheiten des Landes haben wir uns nicht inspirieren können. Fastfood, amerikanisch geprägt, ist vorherschend. Muffins, frittiertes usw. Einzig der “Afgans” wird mir in Erinnerung bleiben. Ein Schokoladengebäck mit Cornflakes. Habe ich das erste Mal in Coromandel gegessen. Sehr lecker.

Akaroa

Akaroa liegt 70 km Km von Christchurch entfernt und läutet das Ende unserer Reise durch Neuseeland ein. Und es scheint ein weiterer Höhepunkt unserer Reise zu werden.
Am Meer liegend, umgeben von Bergen, vollkommen unverbaut, fast menschenleer.
Die vorfrühstühstückliche Joggingrunde ergab schon mal über 500 Höhenmeter auf 16 Km. Am Nachmittag dann fast 600 HM auf knapp 10km.
So schön kann Urlaub sein.

Linksverkehr

In Neuseeland fährt man links. Glücklicherweise hat unser Camper Automatikgetriebe. So fällt schon mal das Schalten auf der “falschen” Seite weg. Kreisverkehr geht auch andersherum, mit etwas Übung. Was allerdings auch nach mehreren Wochen schwerfällt, ist das Fußgängerdasein.
Ich bekomme nach wie vor einen Schreck, wenn ein Auto unverhofft um die Ecke kommt und ich es instinktiv auf der anderen Seite vermute. Je mehr ich mich konzentriere, um so unsicherer werde ich.
Glücklicherweise ist die Bevölkerungsdichte ausserhalb der wenigen Großstädte sehr gering, entsprechend dazu der Verkehr überschaubar. Überhaupt fährt man hierzulande ausgesprochen rücksichtsvoll, mit Ausnahme von Lkw und Holztransportern.

Pool Tour

Unsere Reise durch Neuseeland ist gleichzeitig auch eine Reise an die verschiedenen Badeanstalten des Landes. Zwar ist das Neuseeland umgeben von Meer und es laden diverse Seen zum baden ein. Jedoch sind viele Seen kalt und im Meer lauern teils gefährliche Strömungen und Tiere. So ist unsere Reise fast zu einer Pool Tour geworden. Pools, so heißen die kleinen Bäder, die es fast in jedem, noch so kleinen Ort gibt. Die sind in unterschiedlicher Qualität und Ausstattung. Vom luxuriösen Aquacenter bis zum einfachen Dorfbad.
Vorläufigen Höhepunkt fand heute mit dem Besuch des Kaikoura Lions Pool statt. Vor dem Bad versprach ein Schild “Fresh Water”. Im Inneren zeigte sich rasch, dass vor mindestens einem halben Jahrhundert dringend notwendige Schritte zur Werterhaltung verpasst wurden.
Der Dressing Room verzichtet gänzlich auf Kunstlicht. Das braucht man auf weniger, denn die Ausstattung ist übersichtlich. Das. Urinal ist nicht zu überriechen und den Gebrauch der Duschen, natürlich nur kalt, werden die meisten Besucher vermeiden. Die zahlreichen Möwenfedern sind,trotz Dunkelheit, auf dem feuchten Steinboden gut auszumachen.
Nach so einer Garderobe wird man an das Schwimmbecken keine höheren Ansprüche stellen. Freundlicherweise hat das rührige Rentnerpaar, die diese Badruine verwaltet, die Bahnleinen extra für uns umgehängt. Der Herr bat mich auch, meine Habseligkeiten ausserhalb der Garderobe in seiner Sichtweite zu platzieren.
Das angepriesene frische des Wassers galt wohl eher der Temperatur. Freilich erwartete ich nach bisher gesehenem keinen kristallklaren Pool in Badewannentemperatur. Die Schwebeteile indes, waren auch mit meiner alten, milchglasigen Schwimmbrille zu erkennen. Weitere Einzelheiten enthalte ich mir lieber…
Zumindest war der Eintrittspreis mit 3 Neuseeländischen Dollar, ca. 2,20 SFr., der bislang günstigste auf unserer Pool Tour und allemal ein weiters Erlebnis.

Twizel

Twizel ist ein seltsamer Ort, wenn man seine Entstehung nicht kennt. Ein Retortendorf auf sehr großer Fläche, mit viel Raum für erheblich mehr Einwohner. Doch das Freibad hat nur wenige Stunden täglich geöffnet, das Infocenter war bereits am frühen Nachmittag geschlossen. Twizel sieht nicht nach Boom aus. Dabei sollte der Ort nach früheren Plänen eingestampft werden. Er war als Wohnsiedlung für die Bauarbeiter gedacht, die das Bauprojekt der Stauseen im Zentrum der Südinsel ausführten, welches 1985 nach 50 jähriger Bauzeit abgeschlossen wurde und nun ein Viertel des Strombedarfes des Landes deckt. Allerdings sieht der Orte immer noch retortenmässig aus. Auf großer Fläche sieht man vereinzelte Neubauten, zerstreut von weiterem erschlossenem Bauland.
Wenn man sich die Landschaft der Region ansieht, ist es nachvollziehbar, warum man auf Energiegewinnung aus Wasserkraft setzt. Denn das Land ist augenscheinlich nur begrenzt fruchtbar. Nicht mal Schafe, nur dürres Gras. Fast eine Mondlandschaft.
Entsprechend komisch war der Zeltplatz, unweit des Ortes. Etwas runtergekommen, kaum aktuelle Gäste, ausser Schulklassen.
Jedoch, nach einer vorabendlichen Joggingrunde im Regen eine Sternklare Nacht. Habe noch nie so viele Sterne im Orion gesehen. Und eine Ruhe! Bis auf den blöden Kühlschrank.

Oamaru

Hatte ich etwas negatives über das Verkehrswesen Neuseelands geschrieben? Unser heutiger Halt in Oamaru, auf einem sehr gepflegtem Campingplatz, liegt unmittelbar neben der Eisenbahnstrecke.
Erst dachte ich, es wäre eine Erdbeben. Bis ich merkte, dass ein Zug vorbei fuhr. Das Geräusch erinnerte mich an meine Kindheit, in Hörweite des Bahnhofes zu Weimar, wo in meinen früheren Jahren dampfbetrieben Züge fuhren. Wie bereits erwähnt, der Schienenverkehr ist nicht auf dem neusten Stand. Zu Beginn des Eisenbahnzeitalters, mit dem Goldrausch in vielen Gegenden Neuseelands, war es sicher nicht schlechter als momentan.
Zumindest ist mit einer ruhigen Nacht zu rechnen, bei dem seltenen Zugverkehr.
Es sei denn, die in der Nähe liegende Schafschererei kommt zu unverhofften Aktivitäten. Unter den Lastkraftwagen, die wir heute sahen, waren auffällig viele, mehrstöckige “Schafwagen”.
Dafür haben wir die erhofften Pinguine verpasst, die in einer nahen Bucht desnachts ruhen. Am Nachmittag, als wir schon mal dort waren, ruhten dafür Robben. Die waren gar nicht scheu und liessen sich aus sicherer Entfernung filmen.
Am Folgetag, bei unserer vorfrühstücklichen Laufrunde, waren dann unzählige Pinguine anwesend. Der Respekt vor den Tieren bewahrte mich vor besseren Fotos.

Dunedin

In Dunedin, an der Ostküste der Südinsel, haben wir den ersten richtigen Regentag unserer Reise durch Neuseeland erlebt. Dazu ist es noch kalt geworden. Die weitere Reise versuchen wir, dem schönen Wetter nach zu fahren.
Dunedin ist sehr Schottisch, es soll ursprünglich Glasgow nachempfunden worden sein. Die Landschaft und die Schafe passen. Nur die Palmen erinnern an NZ. Ausgerechnet an diesem Wochenende fand in der Innenstadt ein Wettbewerb mit Schottischer Tracht und Dudelsackmusik statt. Dann Der schöne alte Bahnhof und das, wo es im Land ein sehr wenig ausgebautes Streckennetz gibt. Es schien, bei unserem heutigen Besuch nur ein Nostalgiezug zu fahren. Die anderen Schienen waren schon leicht rostig. Man setzt mehr auf Individualverkehr.
Bei einem so dünn besiedelten Land kein Problem. Knapp über 4 Millionen Menschen leben auf den beiden Inseln, davon alleine in Auckland und Umgebung ein Viertel davon. Dafür gibt es 40 Millionen Schafe. Und selbst die haben augenscheinlich reichlich Auslauf. Im Gegensatz dazu leben wir in Mitteleuropa fast wie Sardellen. Überhaupt scheint hier das Leben gemächlicher zu verlaufen. Einfach schön.

Kiwi

Bis vor wenigen Wochen dachte ich, die Bewohner von Neu Seeland nennt man wegen der pelzig häutigen Frucht Kiwies. Als Reisender durch dieses wunderbare Land habe ich gelernt, dass dies nicht so ist.
Freilich sieht man Kiwiplantagen, vor allem im Nordteil des Landes. Doch der Neu Seeländer sieht sich diesem komischen Vogel namens Kiwi verbunden, der vom Aussterben bedroht ist. Dies deshalb, weil er als Vogel nicht fliegen kann, dafür schlecht zu Fuss ist, mit 20 Stunden täglich ein grosses Schlafbedürfnis hat und somit leichte Beute für seine Feinde ist. Das sind, aus Ermangelung großer Raubtiere, vor allem freilaufende Hunde. Die sieht man naturgemäss nicht so gerne, sind sogar von vielen Orten verbannt.
Bei unserer nachmittäglichen Joggingrunde durch Te Anau sind wir prompt auf einen freilaufenden Hund gestossen, der sich spontan uns anschloss. Es war dann gar nicht so einfach, ihn abzuhängen. In Geschwindigkeit uns Ausdauer waren wir ihm nicht überlegen, so waren wir dann froh, dass er sich dann doch eher für die zahlreichen Enten am See interessierte.

Wanaka

Nach 2/3 unserer Reise durch Neu Seeland haben sich mit Coromandel und Wanaka bereits zwei potentielle Orte zum zum Auswandern angeboten. Nach Coromandel, diesem schrulligen Goldgräberort auf der Nordinsel nun Wanaka im Süden. Beinahe jeder Auslöser der Kamara konservierte ein Postkartenmotiv. Der Lake Wanaka mit der prächtigen, teils schneebedeckten Bergen im Hintergrund bilden die Kulisse dafür. Für den aktiven Urlauber gibt es viele, sehr schöne Wege in der Region. Der kristallklare See lädt-mit Neoprenanzug- zum Schwimmen ein.
Ursprünglich wollten wir nur eine Nacht bleiben und dann weiter nach Queenstown. Dort war es für unseren Geschmack jedoch zu bunt und wir sind schließlich wieder zurück nach Wanaka gekommen.

Buller Gorge Marathon

Wenn wir eine Reise in ein fernes Land unternehmen, ist es gute Tradition, einen Marathon zu integrieren. Für unsere Reise durch Neuseeland haben wir den Buller Gorge Marathon ausgewählt. Der Buller River fließt in Westport, im Nordwesten der Südinsel liegend, ins Tasmanische Meer.
Mit Bussen wurden wir flussaufwärts gebracht, wo der Start auf der gesperrten Fernverkehrsstraße Nr. 6 pünktlich 8.30 erfolgte. Es ging die ersten 8 Km Richtung Berlins, wo es nach der Wendestelle dann dem Flusslauf bergab ging. Allerdings wurde der Laufrhythmus durch häufige Gegensteigungen jähe unterbrochen. Aus dem Gefälle zwischen Start und Ziel wurden dadurch, laut der Messung meiner Uhr, fast unglaubliche 600 Höhenmeter. Somit schon ein Vorgeschmack auf den Weinstraßen Marathon im April.
Von 2500 Teilnehmern war die Rede, wobei das Feld der “Full Marathon” Läufer schätzungsweise aus 300 bunt gemischten Athleten bestand. Eine offensichtlich Japanische Teilnehmerin, die sich vor dem Start mit diversen Salben präparierte, hatten wir, wegen ihres sehr athletischen Aussehens als Favoritin vermutet. Nach der Wendestelle passiere ich sie aber bereits mit erheblichen Rückstand zu Daniela, die ihrerseits den Lauf gemütlich nehmen wollte und sich spontan der aus Wellington kommenden Roanna May anschließ. Beide liefen bis Km 38 zusammen, bis der Neu Seeländerin einen Schwächeanfall erlitt. Dieser, weil bei den Verpflegungsstellen das Wasser ausgegangen war. Bei der aufkommenden Hitze unter sommerlicher Sonne, mit wenig Schatten, nicht ungewöhnlich. Glücklicherweise erholte sie sich wieder und kam dann doch noch ins Ziel.
Das übersichtliche Läuferfeld hat sich auf der Buller Schlucht rasch auseinander gezogen. Die zu überholten Wander, die den Halbmarathon absolvierten, sorgten für Abwechslung, wie auch einige schöne Ausblicke über Brücken in der Schlucht. Die letzen 12 Km vor vor dem Zielort Westport, wurde die Landschaft offener, bei der hoch stehenden Sonne wurde es merklich heiß und bei den Verpflegungsstellen wurde das Wasser knapp. Es gab zwar immer tu trinken, aber die Isogetränke sind nicht jedem Läufer bekömmlich. Getränke wurden in handlichen, offensichtlich mehrmals benutzten, Plastikflaschen ausgegeben. Mit dem Vorteil, dass man sie in der Hand behalten kann und unterwegs jederzeit trinken kann. Erstaunlicherweise wurde auf feste Verpflegung ganz verzichtet, was auch ungewöhnlich ist.
Die letzten beiden Km ging es dann über die Lang gezogene Buller-Brücke ins Zentrum von Westport, wo nun zahlreich Zuschauer für gute Stimmung sorgten. Schließlich der tolle Zieleinlauf im Victoria Squere. Knapp unter 3 1/2 Stunden, fotografierend und auf vorhergehende Ruhetage verzichtend, keine schlechte Zeit, so früh im Jahr. Platz 45 Gesamt, hat nur statistische Bedeutung. interessant vielleicht die Tatsache, dass ich spätestens nach der Hälfte der Strecke von keinem Läufer überholt wurde und sogar noch Plätze gut machen konnte.
Wie immer, bei so exotischen Läufen, ein besonderes Lauferlebnis.
Wider Erwarten habe ich im Zielbereich sogar noch ein Bier bekommen. In Neu Seeland sind Alkoholfreie Zonen weit verbreitet und deren Einhaltung wird kontrolliert. So sind praktisch alle Strände und öffentlichen Plätze davon betroffen. Der Zielbereich im Victoria Squere normalerweise auch. Ausnahmsweise wurde eine lizensierte Zone eingerichtet, in der Bier und Wein ausgeschenkt wurde. Eine Gruppe älterer Herren, in schottischer Tracht, hatte auf der Strecke mit Dudelsackmusik für Unterhaltung gesorgt. Nun waren sie im Festzelt bei prächtiger Laune. ein stattlicher Berg von leeren Bierflaschen vor ihnen, die schlüssige Erklärung.
Der Buller George Marathon ist ziemlich genau in der Mitte unserer Reise. Nun liegen sicher noch schönen Eindrücke und Erlebnisse vor uns.